2023

Das zweite volle Jahr Sanierung. Zuerst widmeten wir uns dem Vorderhaus. Als uns aber immer klarer wurde, dass die Instandsetzung hier eine größere Baustelle werden würde, richteten wir unser Augenmerk auf den Anbau. Dort wollten wir zuerst einziehen; später soll er als Ferienwohnung dienen. Die Bauplanung war abgeschlossen und die Umnutzung beantragt, im September lag schließlich die Baugenehmigung vor.

Schüttung über Bohlenstube

Die lose Schüttung aus Sand und Holzkohle entfernten wir. Darunter kam ein fester Lehmschlag zum Vorschein, in dem Deckenbalken und Bohlenstube eingebettet sind. Die Aufhängung des Unterzugs ist mit Splinten gesichert – wie wir später erfuhren, typisch für die Zeit um 1550.

Befreiung der Abbruchwand

Der erste Einsatz eines Handwerkers auf unserer Baustelle!
Zum einem wurde der Ortgang erneuert
Zum anderen wurden Folien und Planen, die nach dem Abriss des Nachbarhauses angebracht worden waren, entfernt. Gut gemeint, aber für Fachwerk völlig ungeeignet: Dahinter staut sich Feuchtigkeit und das Holz verrottet unbemerkt. Zum Glück war die Konstruktion nicht sehr winddicht und zerfiel rasch in kleinste Teile. Über Jahre fanden wir noch Stücke– der Rest ist wohl längst Mikroplastik.
Der neue Anblick war besser, aber gewöhnungsbedürftig: sichtbar wurden Hohlblocksteine und der herausgedrehte Eckständer der Bohlenstube. In der Mansarde fiel ein Gefach heraus, das wir schnell ersetzten.

Weitere Freilegung des Fachwerks

Im Vorderhaus legten wir weiteres Fachwerk frei. Der südliche Gebäudeteil und die Innenwände sind in gutem Zustand, die westliche Giebelwand dagegen kaum: Hinter Zementputz kam wenig intaktes, schon vor Jahrhunderten erneuertes Fachwerk zum Vorschein.

Abbruch und Neuaufbau Anbau – „Kackewürfel“

Die obere Etage des Anbaus war ursprünglich Lagerraum und wurde zu DDR-Zeiten laut Nachbarn als Partyraum genutzt. Eine nachträglich eingezogene Wand enthielt eine Toilette.
Für eine bessere Raumaufteilung – und weniger Gewicht auf der Kappendecke – rissen wir alles ab und mauerten mit Gasbeton neu. Der liebevoll genannte „Kackewürfel“ ist das künftige Bad, das Küche und Wohnbereich trennt und einen Flur schafft.

Tragwerksinstandsetzung Anbau

Der Backsteinanbau besitzt außen eine einreihige Zierfassade, innen eine ebenfalls nur steindicke Fachwerkwand, ausgefacht mit Backsteinen. Dieses Fachwerk war einst mit dunkelbraunem Lack gestrichen – fatal: Beheizung verlegte den Taupunkt ins Fachwerk, Feuchtigkeit konnte nicht entweichen, das Holz zersetzte sich.
Wir entfernten den Lack und reparierten das Fachwerk selbst.


Rückbau Estrich Anbau + Instandsetzung Kappendecke

Zum Teil ist die Wohnung über dem ehemaligen Stall, der eine Kappendecke besitzt. Über die Kappendecke wurde Estrich gegossen, der durch Bewegungen rissig und bürchig wurde. Wir haben den Estrich entfernt sowie Löcher und Risse in der Kappendecke verschlossen.

Klokabinenabriss

Die einzige funktionierende Toilette war ein Graus: Auf Fachwerk folgten Lattung, Gipsfaserplatten, Fliesen – alles gammelte, inklusive der Fachwerkbalken.

Rammsondierung

Bad Frankenhausen liegt im Erdfallgebiet. Unser Klinkeranbau zeigte Risse in alle Richtungen, besonders an einer Ecke. Eine Rammsondierung ergab bis 7 m Tiefe nur nassen Sand. Kein Wunder, dass sich der Bau bewegt.
Eine wirkliche Stabilisierungslösung fanden weder Bohrfirma noch Statiker. Zwischenzeitlich dachten wir über abschnittsweise Unterfangung und armierte Betonbalken nach. Heute sehen wir es gelassener: Der Anbau steht seit 120 Jahren, das Vorderhaus seit fast 470 Jahren – ohne richtige Fundamente und ohne Trennfugen. Rissmonitore zeigen, dass sich Spannungen je nach Niederschlag und Trockenheit periodisch ausgleichen.

Beginn Dachterassenabriss

Die Dachterrasse verband Vorderhaus und Anbau über einen Wintergarten und führte per Treppe ins Erdgeschoss. Eine abenteuerliche Konstruktion aus Stahlträgern, Einschub-Betondecke, Ausgleichsschicht, Bitumen und Estrich – Gesamtgewicht über 20 Tonnen!
Wir begannen mit dem Abriss, um einen unversiegelten Innenhof zu schaffen. Der künftige Zugang erfolgt über eine Treppe im Hof, ein freistehender Holzbalkon ersetzt die Dachterrasse.

Kaminabriss Räucherkammer

Der Kamin war von den Vorbesitzern nur bis unter die Dachhaut abgetragen und stand uns im Weg. Wir rissen ihn vollständig ab: unnötiges Gewicht und mit verrußten, teils gerissenen Steinen auch eine potenzielle Schadstoffquelle.

Tieferlegung Balkenlage Anbau

Die obere Etage war als Lagerraum gedacht, die Fenster bodentief – Spuren an den Ziegeln zeigen, dass hier große Güter verladen wurden. Innen blickte man direkt gegen den oberen Fensterteil. Eine Höherlegung war wegen des Zahnfrieses nicht möglich, also senkten wir die Balkenlage ab. Die Deckenbalken konnten wir größtenteils wiederverwenden und zwischen den Stahlträgern einbauen. Die Stahlträger wurden mit Rostschutzfarbe behandelt. Später wurde zwischen den Balken gedämmt.

Bohlenstube freilegen und Tag der offenen Tür

Zum Bauernmarkt im September 2023 planten wir einen Tag der offenen Tür – Highlight: die freigelegte Bohlenstube, 2022 entdeckt.
Behutsam entfernten wir Tapete und Lehm, nahmen Haselnussruten vorsichtig ab. Das Ergebnis kann sich sehen lassen; nur einige Farbschichten liegen noch auf dem Holz.

Wir hatten uns von diesem Tag mehr Zuspruch erwartet, haben aber bis auf das Banner, das ein halbes Jahr hing, auch nicht wirklich „Werbung“ gemacht. Viele Frankenhäuser haben vermutlich unser Ansinnen nicht verstanden, passierte doch äußerlich sichtbar nichts. bzw. wenig am Haus.

Zweite Toröffnung & neue Tore

Im Sommer öffneten wir die zweite Toröffnung, die wohl zwischen 1930 und 1950 zugemauert worden war. Ein Stahlbauer fertigte und montierte die neuen Tore, die wir provisorisch beplankten.


Verkleinerung Fenster Anbau

Wie bei der Balkenlage beschrieben, waren die Fenster bodentief – zu einsehbar. Wir verkleinerten die Öffnungen, ersetzten einige Backsteine und verschlossen alles über Winter mit Planen, bis die neuen Fenster 2024 eingebaut wurden.

Wintergartenabriss

Der nach Norden gerichtete Wintergarten war uns ein Rätsel. Sein Boden aus Rundhölzern und schwarzen Brettern war in die Wand eingemauert, die obere Mauer darauf aufgelagert – praktisch für den Abriss, denn so ließ sich die Wand leicht umstoßen.
Das Pultdach erwies sich beim Rückbau als deutlich älter als der Rest und stammt wohl aus der Zeit des Anbaus. Wie es ursprünglich gedacht war, bleibt unklar.

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