Jahr 4 der Sanierung. Geprägt von Arbeiten im Anbau und dem Einzug zum Ende des Jahres.
Wandheizung und Lehmputz
Nachdem wir im vergangenen Jahr die Innenwände mit Hanfkalk gedämmt hatten, kam Anfang des Jahres die Wandheizung. Diese wurde dick in Thüringer Lehm eingebettet und abschließend verputzt.
Wir haben dafür eine Putzmaschine genutzt. Sie stand im Erdgeschoss und wurde mit recht flüssig angerührten Lehm befüllt und pumpte diesen über eine Förderschnecke und einen Schlauch ein Stockwerk nach oben. So mussten wir nicht alles von Hand nach oben schleppen, dort anrühren und händisch an die Wand bringen.
Unsere Erkenntis nach dem Einsatz der Putzmaschine: Nie wieder!
Warum?
- Mehr als drei Meter hohe Decken und ein sehr schwerer Schlauch vertragen sich nicht.
Es war enorm kräftezehrend , ständig das Gerüst auf- und abzusteigen. - Längere Trockenzeit durch die notwendigerweise flüssigere Mischung.
- Der Lehm enthielt zwischendurch kleine Steine, die dafür sorgten, dass die Düse verstopfte, absprang und sich ein Lehmschwall in allle Ecken ergoss.
- Apropos Dreck: Es spritzte überall hin. Den Reinigungsaufwand hat die Zeitersparnis mehr als wett gemacht.
Abschließend gab es Lehmfarbe und teilweise farbigen Lehmstreichputz, ebenfalls aus Thüringen. An einer Innenwand haben wir einen Versuch mit Streckmetall gemacht und festgestellt, dass es sich erstaunlich gut als Putzträger eignet.











Balkonbau
Der Balkon für den Anbau wurde selbst konstruiert und gebaut. Er besteht aus Holz und ist mit Thermo-Kiefer beplankt. Eine Brüstung folgte Anfang 2026.





Abriss Kühlkammer – Entsiegelung Innenhof
Der Innenhof war ursprünglich komplett überdacht. Auf Teilen der Kühlkammer lag eine Dachterasse aus Betonstegplatten auf. Die wurde 2024 abgerissen – die Kühlkammer war 2025 der Endgegner des Jahres.
Sie war von unten und innen zur Isolierung später mit Teerkork ausgekleidet worden. Der Mörtel purer Zement, die meisten Backsteine steinhart, krumm und schief. Die letzten Reste wurden Anfang 2026 dem Erdboden gleichgemacht.
Neben der Kühlkammer war unter einer Waschbetontreppe noch eine Sandsteintreppe versteckt – ein schöner Fund! Die Stufen wurden ausgebaut und sollen später anderweitig wiederverwendet werden. So kamen wir dem Ziel, den Innenhof weiter zu entsiegeln, einen großes Stück näher.





Torbau
Einen historischen Nachweis für die Gestaltung der Tore hatten wir nicht. Das Design ist ein modern reduzierter Jugendstil-Historismus-Mix – und natürlich selbst entworfen. Etwa zwei Wochen hat der Bau inklusive Anstrich gedauert. Als Abschluss folgen später noch Oberlichter, die aus alten Glasscheiben gebaut werden.





Freilegung Südfassade
Ein Termin, auf den wir lange hingefiebert haben: Nachdem wir schon Anfang 2024 wussten, dass sich unter der Vorhangfassade und dem Putz Sichtfachwerk verbirgt, dauerte es noch bis zum Sommer 2025, bis wir die Fassade freilegen konnten.
Die Arbeiten dauerten knapp eine Woche. Alles wurde in Absprache mit der Denkmalpflege dokumentiert, und unsere Restauratorin nahm Farb- und Putzproben, um herauszufinden, welche Anstriche das Haus im Laufe der Zeit hatte. Insgesamt konnten vierzehn Fassungen nachgewiesen werden.
Das Fachwerk wurde nach einem dunklen Farbanstrich anscheinend noch mindestens zweimal heller gestrichen – einmal ockerfarben, einmal olivgrün.
Nach dem Entfernen der Vorhangfassade tauchten Abdrücke metallener Buchstaben auf:
„Rudolf Bohnert – Fleischermeister“.
Er betrieb hier etwa von den 1910er- bis in die 1950er-Jahre seine Fleischerei. Merkwürdig ist, dass es danach noch mindestens einen weiteren Fleischer gab und das Gebäude später als HO-Delikat genutzt wurde. Warum wurden die Buchstaben zwar irgendwann entfernt, die Fassade aber weder neu verputzt noch gestrichen? Seltsam!
Das Ergebnis nach tagelanger Arbeit war jedoch sehr erfreulich: hervorragend erhaltenes Fachwerk. Offenbar haben nahezu alle, die zuvor an diesem Haus gearbeitet haben, darauf geachtet, das Holz nicht zu beschädigen. Keine Beilspuren, keine abgeschlagenen Teile – nichts dergleichen.
Eine weitere tolle Entdeckung: Unter der Schwelle, hinter losen Backsteinen, tauchten die geschnitzten Füllhölzer auf! Bis auf eines sind noch alle vorhanden. Ob wir es schaffen, die ehemalige Vorkragung wiederherzustellen? Sie lag bei über 25 cm.









Tag des offenen Denkmals 2025
Als frisch eingetragenes Denkmal haben wir natürlich auch am Tag des offenen Denkmals teilgenommen.
Zu besichtigen gab es neben Funden aus dem Haus auch die Bohlenstube. Abgerundet wurde das Angebot durch spannende Einblicke in die Hausforschung sowie Infomaterial der IG Bauernhaus.



Einzug!
Ende November sind wir tatsächlich in den Anbau eingezogen. Letzte Restarbeiten mussten im „laufenden Betrieb“ erledigt werden, aber wir waren heilfroh, Weihnachten und Neujahr in den eigenen vier Wänden mit beiden Katzen zu verbringen.
Silvester und Neujahr haben wir allerdings zu einem großen Teil damit verbracht, aus dem Fenster zu schauen – aus Sorge, dass eine Rakete in unser Vorderhaus fliegt …
Es ging zum Glück alles gut.




