Schlagwort: Bohlenstube

  • 2024

    2024

    Jahr 3 der Sanierung. Wir konzentrierten uns weiterhin überwiegend auf dem Anbau und erledigten nur kleinere Projekte im Vorderhaus. Ein Fund am Vorderhaus warf der Planung dabei etwas über den Haufen.


    Sockelfreilegung Vorderhaus

    Der Sockel des Vorderhauses ist – wie die restliche Fassade – mit einer Vorhangfassade versehen.
    Wir wollten sehen, wie es darunter aussieht, und entfernten die Paneele.
    Dabei machten wir eine Entdeckung: Der Straßenausbau hat das Pflaster um etwa 20 cm angehoben. Es wurde einfach über das alte Pflaster drübergepflastert und – blödsinnigerweise – mit Noppenbahn gearbeitet.
    Der ursprüngliche Sockel ist zur Straßenseite nur noch rudimentär erkennbar. Bei der anstehenden Sanierung werden wir uns hierfür etwas überlegen müssen, um wieder stimmige Proportionen herzustellen.

    Fassadenfenster

    Um uns einen Eindruck davon zu verschaffen, wie es unter der Kunststoff-Vorhangfassade aussieht, schnitten wir mehrere kleine Sichtfenster hinein.
    Auf der Südseite, straßenseitig, kam unter der Dämmwolle und der Holzlattung ein nicht mehr allzu hübscher Putz zum Vorschein – farblich irgendwo zwischen Beige und Kotzgrün.

    Wir arbeiteten uns weiter vor und entfernten den Putz vorsichtig, bis wir auf das Eichenfachwerk stießen. Die Überraschung war groß: geschnitztes Sichtfachwerk, genauer gesagt Fächerrosetten mit Tauband!

    Insgeheim hatten wir gehofft, dass sich das innen sichtbare Eichenfachwerk außen ebenfalls als Sichtfachwerk zeigt, mit einer solchen Ausführung hatten wir jedoch nicht gerechnet.

    Unser Haus ist das vierte (sichtbare) Fachwerkhaus in der Stadt mit dieser Art von Fachwerkschmuck, der typisch für den Harzraum und Südniedersachsen ist. Es unterscheidet sich jedoch deutlich in der Ausführung von den anderen Häusern in der Stadt und hat daher mit Sicherheit einen anderen Zimmermann als Erbauer.

    Einige Tage später schauten wir auch in der Gasse nach, was sich dort verbirgt: Reste von Fachwerk, das innen nicht mehr sichtbar ist, sowie eine zugemauerte Fensteröffnung – spannend!


    Neue Augen für den Anbau

    Aufgrund fehlender Alternativen entschieden wir uns für Holzfenster für den Anbau. Sie wurden von einer örtlichen Schreinerei gefertigt, und wir konnten sie noch vor dem endgültigen Zusammenbau selbst mit unserer Wunsch-Leinölfarbe Caparol Histolith streichen.

    Außen wählten wir den Farbton RAL 6013 „Schilfgrün“ als Komplementärfarbe zum roten Backstein, innen blieb das Holz transparent behandelt. Die Zwischenräume stopften wir selbst mit Hanffasern aus. Es geht also auch ohne Bauschaum!

    Abriss Hohlblocksteine, Notverbretterung Bohlenstube

    Die Bohlenstube hatte als „Außenwand“ lediglich eine lose Aufreihung von Hohlblocksteinen. Durch verschiedene Arbeiten an anderen Stellen im und am Haus hatte sich diese Konstruktion langsam, aber sicher in Bewegung gesetzt.

    Wir entfernten die Steine und bauten eine Notverbretterung ein.

    Endgültiger Abriss Dachterrasse

    Die Dachterrasse diente jahrzehntelang als Zugang zum Obergeschoss des Anbaus. Wenn die Bauzeichnungen stimmen, gab es ursprünglich eine Leiter innerhalb des Anbaus sowie einen Laubengang vom Vorderhaus.

    Zu DDR-Zeiten wurde die Terrasse mit Stegbetonplatten gebaut, die auf Doppel-T-Trägern ruhten. Darüber kamen Bitumen und eine weitere Betonschicht. Tonnenschwer – und zugleich mit kaum ausreichendem Auflager. Wie das gehalten hat? Keine Ahnung.

    Im Sommer wurden die Stegbetonplatten nach und nach kleingekloppt und entsorgt.

    Ziel ist es nun, einen Holzbalkon an den Anbau zu bauen. Von dort aus soll künftig eine Treppe den Zugang zur Wohnung ermöglichen. Der Innenhof wird entsiegelt und begrünt.


    Vorbereitung Fundamente Hofmauer

    Die alte Hofmauer war nur einen Stein breit, eingefasst zwischen stark verrosteten Doppel-T-Trägern und teilweise nicht einmal mit einem richtigen Fundament ausgestattet. Wir rissen die Mauer ab, um sie in Teilen fachgerecht zu erneuern und künftig auch als Brüstung für den geplanten Balkon zu nutzen.

    Ein wenig Archäologie gehörte bei dem ganzen Prozess ebenfalls dazu: In Richtung des Nachbargrundstücks legten wir vorsichtig alte Grundmauern und Einfassungen frei und dokumentierten sie. Auf unserem Grundstück stießen wir vermutlich auf eine alte Müllgrube, die teilweise mit Knochen und Kohlebriketts verfüllt war.

    diverse Reparaturen am Ziegelmauerwerk, Konservierung Stahlträger

    Und zwischendurch ein paar kleinere Baustellen – damit einem nicht langweilig wird …

    Zum Beispiel die Konservierung des außenliegenden Stahlträgers mit Roststopp und Grundierung. Dazu kamen diverse Reparaturen am Mauerwerk sowie die teilweise Neuverfugung.

    Aufdachdämmung Anbau + Gründachanlage

    Der nächste große Schritt am Anbau: die Dämmung. Aus bauphysikalischen Gründen kam dabei nur eine Aufdachdämmung in Frage.

    Mit dem Bauamt der Stadt – insbesondere mit dem von ihr beauftragten Sanierungsberater – führten wir über Monate hinweg eine Auseinandersetzung darüber, aus welchem Material die neue Dachhaut bestehen darf. Die Gestaltungssatzung sieht ausschließlich rote Ziegel oder Schiefer vor. Ein Bau wie unserer – ein Produktionsgebäude aus Backstein um 1900 mit flach geneigtem Dach und einer damals typischen Blech- oder Bitumeneindeckung – ist darin schlicht nicht vorgesehen.

    Erst über den Kniff, ein Gründach mit einem Substrat aus rotem Ziegelsplitt auszuführen, wurde eine Abweichung genehmigt und der Durchbruch erzielt.

    Das neue Dach war innerhalb einer Woche fertiggestellt. Das Extensivsubstrat stammt aus Thüringen, etwa 50 km entfernt, und wurde rund 8 cm stark aufgebracht. Begrünt haben wir es mit Sedumsprossen und einer heimischen Blühmischung. Zur Bewässerung installierten wir im ersten Jahr eine Schlauch-Tröpfchenbewässerung.
    Große Teile der Gründachanlage wurden über das Förderprogramm „Naturschutz beginnt vor der Haustür!“ der Stiftung Naturschutz Thüringen finanziert.

    Schlämmung Wand + Rankhilfe

    Die Brandwand war vor dem Abriss des Nachbargebäudes kaum sichtbar, entsprechend wenig Mühe wurde – im Vergleich zur Schaufassade – beim Mauern und Verfugen aufgewendet.

    Im Zuge der Dachdämmung konnten wir das Gerüst nutzen, um die Wand auszubessern und sie mit einer Schlämme aus Weißkalkhydrat, Dreck aus dem Haus und Wasser optisch aufzuwerten. Anschließend erhielt die Wand ein Ranksystem sowie zwei Garten-Geißblätter; später kam noch eine Rose hinzu. Seitdem arbeiten sich die Pflanzen wacker nach oben – ebenfalls, wie schon das Gründach, über die Stiftung Naturschutz Thüringen mitgefördert.

    Dendrodatierung

    Über Umwege – eigentlich waren wir nur auf der Suche nach mehr Informationen zu unserer Bohlenstube – kamen wir in Kontakt mit dem Landesdenkmalamt. Eine Bohlenstube (bisher sind nur zwei weitere in der Stadt bekannt) und die neuen Erkenntnisse zu unserer Sichtfachwerkfassade erregten doch erstaunlich großes Interesse.

    Im Sommer entnahmen Mitarbeiter Bohrkernproben aus verschiedenen Teilen des Fachwerks (nur das Nadelholz), um über dendrochronologische Datierung das Fälldatum der Hölzer zu bestimmen.

    Ein kleiner Exkurs zur Dendrochronologie...

    von altgriechisch dendron = „Baum“, chronos =“Zeit“, logos =“Lehre ,Wissenschaft‘‘; also in etwa die „Lehre/Wissenschaft vom Baumalter“.
    In den Jahrringen von Bäumen lassen die Wachstumsbedingungen einzelner Jahre ablesen. Gute Jahre = breitere Ringe, schlechte Jahre = schmalere Ringe. Diese Abfolge von schmalen und breiten Jahrringen sind in einer Gegend charakteristisch für eine einzelne Baumart. Durch die Vermessung vieler Bäume lassen sich sogenannte Chronolgien erstellen, die Jahrhunderte bis Jahrtausende zurückreichen können.

    Mit dieser Methode können vebaute Hölzer in Gebäuden gut datiert werden: Früher wurde Holz immer „nass“, also frisch gefällt, verbaut. Durch den Abgleich mit Datenbanken lässt sich so das Baujahr eines Hauses erstaunlich genau bestimmen. Wichtig ist, dass Hölzer mit Waldkante – also mit Rinde – für die Proben ausgewählt werden. Der äußerste Jahrring zeigt das letzte Jahr vor der Fällung des Baumes.

    Durch unsere Recherchen vermuteten wir bereits, dass das Haus nach dem Stadtbrand von 1554 wieder aufgebaut wurde. Also müssten die älteren Teile etwa aus den Jahren 1555–1560 stammen. Aber wie sieht es mit dem Dach aus? Wurde es 1833 beim verheerenden Stadtbrand zerstört und danach erneuert?

    Eine spannende Entdeckung: Das Nadelholz im älteren Gebäudeteil ist Tanne – erkennbar an den fehlenden Harzkanälen und dem typischen Geruch nach Katzenurin beim Bohren 😉. Doch woher stammte das Holz? In der näheren Umgebung wuchsen keine Weißtannen.
    Das Mansarddach wurde beim Vor-Ort-Termin vom erfahrenen Bauforscher älter geschätzt als zuvor vom Dachdecker: „1800 +/- 10, damit gewinnen Sie immer einen Kasten Bier.“ Der Dachdecker hatte 1870–1890 vermutet. Schnell wurden noch Skizzen angefertigt, und nach nur einer Stunde war der Termin schon vorbei. Das Speziallabor verwies uns auf mehrere Monate Wartezeit, da es stark ausgelastet ist …

    Überraschenderweise kam das Ergebnis schon nach nur einem Monat – und bestätigte unsere Vermutungen: Das ältere Fachwerk aus Tanne stammt aus dem Fälljahr 1554/55, das Haus ist also höchstwahrscheinlich von 1555. Die Mansarde datiert auf 1792/93, also Baujahr 1793.

    Wenn man dann vor diesen alten Balken steht, bekommt man fast einen Kloß im Hals. Man wird sich bewusst, wie viele Generationen hier gelebt haben, wie lange das alles an Ort und Stelle steht – und dass man nun selbst Teil dieser langen Hausgeschichte ist.


    Innendämmung Anbau

    Da es uns wichtig war, die Backsteinschmuckfassade zu erhalten, haben wir den Anbau – unsere Übergangswohnung – von innen gedämmt. Nach längerer Überlegung entschieden wir uns für Hanfkalk. Im Gegensatz zu anderen Materialien wie Holzweichfaser bringt er Masse in die Wände und sorgt so gleichzeitig für Schallschutz. Außerdem gleicht Hanfkalk problemlos Unebenheiten aus, und die Befestigung an der Wand gestaltet sich unkompliziert.
    Das Schöne an Hanfkalk: Er besteht nur aus drei Zutaten – Wasser, Hanfschäben und hydraulischem Kalk (NHL 3,5).

    Wir brachten zunächst eine Lattung an die Wände an, um davor eine Schalung anbringen zu können. Darin ließen wir etwa 10 cm frisch gemischten Hanfkalk einstampfen – so wuchsen nach und nach unsere neuen Innenwände. Auf den Latten werden später die Schienen für die Wandheizung montiert. Über den Hanfkalk kommt noch Lehm als Unter- und Oberputz.

    Die Innendämmung haben wir uns zusammen mit anderen Maßnahmen, wie zum Beispiel den Fenstern, über die Bundesförderung für effiziente Gebäude fördern lassen. Eigenleistung ist zwar nicht förderfähig, aber die Materialien schon!

    Neuer Stromanschluss

    Der vorhandene Stromanschluss ging von der Bohlenstube aus ins restliche Haus. Mal abgesehen davon, dass er für heutige Anforderungen völlig unterdimensioniert war, war die gewählte Stelle auch ungünstig, um alle Gebäudeteile gut zu versorgen.

    Der neue Stromanschluss sollte zwischen die beiden Gebäudeteile gelegt werden. In Abstimmung mit dem Elektriker wurde er so geplant, dass die Versorgung von zwei Haushalten, zwei Wärmepumpen, einer Photovoltaikanlage sowie einer Ladestation für ein Elektroauto problemlos möglich ist.

    Von der Beantragung bis zur Umsetzung verging mehr als ein Jahr. Irgendwo zwischen unserem Elektriker, dem Netzbetreiber und der ausführenden Firma hing alles fest. Erst als der alte Stromanschluss teilweise ausfiel – er lief nur noch auf einer Phase, weil er wohl irgendwo im Erdreich abgegammelt war – und nach mehreren nervenaufreibenden Anrufen bei Netzbetreiber und ausführender Firma, kam endlich Bewegung ins Spiel.

    Bodenfreilegung Schwarzküche

    In unserer alten Schwarzküche und dem Vorraum zur Bohlenstube waren – wie im Flur des Anbaus bzw. später in Teilen der Toilette – Fliesen von Utzschneider & Ed. Jaunez aus Saargemünd (heute bekannt als Zahna-Fliesen) verbaut. Durch den intensiven Gebrauch hatten die Fliesen stark gelitten, und wir wollten auch wissen, was sich darunter verbarg.

    Der Ausbau verlief recht gut: Viele Fliesen konnten wir retten und für eine Wiederverwendung sichern.

    Und der Boden darunter? Alte Cotto-Fliesen, mit Gips verfugt. Wir vermuten, dass sie rund 200 Jahre alt sind. Dazwischen war irgendwann eine Wasserleitung verlegt worden, wodurch einige Fliesen beschädigt wurden.

  • 2023

    2023

    Das zweite volle Jahr Sanierung. Zuerst widmeten wir uns dem Vorderhaus. Als uns aber immer klarer wurde, dass die Instandsetzung hier eine größere Baustelle werden würde, richteten wir unser Augenmerk auf den Anbau. Dort wollten wir zuerst einziehen; später soll er als Ferienwohnung dienen. Die Bauplanung war abgeschlossen und die Umnutzung beantragt, im September lag schließlich die Baugenehmigung vor.

    Schüttung über Bohlenstube

    Die lose Schüttung aus Sand und Holzkohle entfernten wir. Darunter kam ein fester Lehmschlag zum Vorschein, in dem Deckenbalken und Bohlenstube eingebettet sind. Die Aufhängung des Unterzugs ist mit Splinten gesichert – wie wir später erfuhren, typisch für die Zeit um 1550.

    Befreiung der Abbruchwand

    Der erste Einsatz eines Handwerkers auf unserer Baustelle!
    Zum einem wurde der Ortgang erneuert
    Zum anderen wurden Folien und Planen, die nach dem Abriss des Nachbarhauses angebracht worden waren, entfernt. Gut gemeint, aber für Fachwerk völlig ungeeignet: Dahinter staut sich Feuchtigkeit und das Holz verrottet unbemerkt. Zum Glück war die Konstruktion nicht sehr winddicht und zerfiel rasch in kleinste Teile. Über Jahre fanden wir noch Stücke– der Rest ist wohl längst Mikroplastik.
    Der neue Anblick war besser, aber gewöhnungsbedürftig: sichtbar wurden Hohlblocksteine und der herausgedrehte Eckständer der Bohlenstube. In der Mansarde fiel ein Gefach heraus, das wir schnell ersetzten.

    Weitere Freilegung des Fachwerks

    Im Vorderhaus legten wir weiteres Fachwerk frei. Der südliche Gebäudeteil und die Innenwände sind in gutem Zustand, die westliche Giebelwand dagegen kaum: Hinter Zementputz kam wenig intaktes, schon vor Jahrhunderten erneuertes Fachwerk zum Vorschein.

    Abbruch und Neuaufbau Anbau – „Kackewürfel“

    Die obere Etage des Anbaus war ursprünglich Lagerraum und wurde zu DDR-Zeiten laut Nachbarn als Partyraum genutzt. Eine nachträglich eingezogene Wand enthielt eine Toilette.
    Für eine bessere Raumaufteilung – und weniger Gewicht auf der Kappendecke – rissen wir alles ab und mauerten mit Gasbeton neu. Der liebevoll genannte „Kackewürfel“ ist das künftige Bad, das Küche und Wohnbereich trennt und einen Flur schafft.

    Tragwerksinstandsetzung Anbau

    Der Backsteinanbau besitzt außen eine einreihige Zierfassade, innen eine ebenfalls nur steindicke Fachwerkwand, ausgefacht mit Backsteinen. Dieses Fachwerk war einst mit dunkelbraunem Lack gestrichen – fatal: Beheizung verlegte den Taupunkt ins Fachwerk, Feuchtigkeit konnte nicht entweichen, das Holz zersetzte sich.
    Wir entfernten den Lack und reparierten das Fachwerk selbst.


    Rückbau Estrich Anbau + Instandsetzung Kappendecke

    Zum Teil ist die Wohnung über dem ehemaligen Stall, der eine Kappendecke besitzt. Über die Kappendecke wurde Estrich gegossen, der durch Bewegungen rissig und bürchig wurde. Wir haben den Estrich entfernt sowie Löcher und Risse in der Kappendecke verschlossen.

    Klokabinenabriss

    Die einzige funktionierende Toilette war ein Graus: Auf Fachwerk folgten Lattung, Gipsfaserplatten, Fliesen – alles gammelte, inklusive der Fachwerkbalken.

    Rammsondierung

    Bad Frankenhausen liegt im Erdfallgebiet. Unser Klinkeranbau zeigte Risse in alle Richtungen, besonders an einer Ecke. Eine Rammsondierung ergab bis 7 m Tiefe nur nassen Sand. Kein Wunder, dass sich der Bau bewegt.
    Eine wirkliche Stabilisierungslösung fanden weder Bohrfirma noch Statiker. Zwischenzeitlich dachten wir über abschnittsweise Unterfangung und armierte Betonbalken nach. Heute sehen wir es gelassener: Der Anbau steht seit 120 Jahren, das Vorderhaus seit fast 470 Jahren – ohne richtige Fundamente und ohne Trennfugen. Rissmonitore zeigen, dass sich Spannungen je nach Niederschlag und Trockenheit periodisch ausgleichen.

    Beginn Dachterassenabriss

    Die Dachterrasse verband Vorderhaus und Anbau über einen Wintergarten und führte per Treppe ins Erdgeschoss. Eine abenteuerliche Konstruktion aus Stahlträgern, Einschub-Betondecke, Ausgleichsschicht, Bitumen und Estrich – Gesamtgewicht über 20 Tonnen!
    Wir begannen mit dem Abriss, um einen unversiegelten Innenhof zu schaffen. Der künftige Zugang erfolgt über eine Treppe im Hof, ein freistehender Holzbalkon ersetzt die Dachterrasse.

    Kaminabriss Räucherkammer

    Der Kamin war von den Vorbesitzern nur bis unter die Dachhaut abgetragen und stand uns im Weg. Wir rissen ihn vollständig ab: unnötiges Gewicht und mit verrußten, teils gerissenen Steinen auch eine potenzielle Schadstoffquelle.

    Tieferlegung Balkenlage Anbau

    Die obere Etage war als Lagerraum gedacht, die Fenster bodentief – Spuren an den Ziegeln zeigen, dass hier große Güter verladen wurden. Innen blickte man direkt gegen den oberen Fensterteil. Eine Höherlegung war wegen des Zahnfrieses nicht möglich, also senkten wir die Balkenlage ab. Die Deckenbalken konnten wir größtenteils wiederverwenden und zwischen den Stahlträgern einbauen. Die Stahlträger wurden mit Rostschutzfarbe behandelt. Später wurde zwischen den Balken gedämmt.

    Bohlenstube freilegen und Tag der offenen Tür

    Zum Bauernmarkt im September 2023 planten wir einen Tag der offenen Tür – Highlight: die freigelegte Bohlenstube, 2022 entdeckt.
    Behutsam entfernten wir Tapete und Lehm, nahmen Haselnussruten vorsichtig ab. Das Ergebnis kann sich sehen lassen; nur einige Farbschichten liegen noch auf dem Holz.

    Wir hatten uns von diesem Tag mehr Zuspruch erwartet, haben aber bis auf das Banner, das ein halbes Jahr hing, auch nicht wirklich „Werbung“ gemacht. Viele Frankenhäuser haben vermutlich unser Ansinnen nicht verstanden, passierte doch äußerlich sichtbar nichts. bzw. wenig am Haus.

    Zweite Toröffnung & neue Tore

    Im Sommer öffneten wir die zweite Toröffnung, die wohl zwischen 1930 und 1950 zugemauert worden war. Ein Stahlbauer fertigte und montierte die neuen Tore, die wir provisorisch beplankten.


    Verkleinerung Fenster Anbau

    Wie bei der Balkenlage beschrieben, waren die Fenster bodentief – zu einsehbar. Wir verkleinerten die Öffnungen, ersetzten einige Backsteine und verschlossen alles über Winter mit Planen, bis die neuen Fenster 2024 eingebaut wurden.

    Wintergartenabriss

    Der nach Norden gerichtete Wintergarten war uns ein Rätsel. Sein Boden aus Rundhölzern und schwarzen Brettern war in die Wand eingemauert, die obere Mauer darauf aufgelagert – praktisch für den Abriss, denn so ließ sich die Wand leicht umstoßen.
    Das Pultdach erwies sich beim Rückbau als deutlich älter als der Rest und stammt wohl aus der Zeit des Anbaus. Wie es ursprünglich gedacht war, bleibt unklar.

  • 2021 – 2022

    2021 – 2022

    Nach der Schlüsselübergabe im Spätherbst 2021 begannen die ersten Erkundungen, um den Zustand des Hauses zu erfassen, Prioritäten zu setzen und die nächsten Sanierungsschritte festzulegen. Schon bald zeigte sich, dass einiges auf uns zukam – und wir packten es Schritt für Schritt an.

    Dachinspektion

    Ein dichtes Dach ist das A und O! Deshalb rückten wir verschobene Ziegel zurecht, erneuerten Dachlatten und verschmierten die Ziegel neu. Über Kleinanzeigen konnten wir sogar rund 100 baugleiche Ziegel organisieren – bis heute liegen sie ungenutzt bereit. 😀

    Kellergewölbe freilegen

    Im Raum oberhalb des Kellers zog die Feuchtigkeit in die Wände. Das Gewölbe war bislang von Erde umgeben, auf der früher direkt der Holzboden auflag. Wir legten das Mauerwerk händisch frei und stießen dabei auf spannende Funde: Knochen, Lederreste, kleine Fläschchen, zahlreiche Tonscherben, die sich im Nachhinein ins späte Mittelalter datieren ließen – und eine Münze aus dem Königreich Böhmen, ein Gröschl von 1782. Ein überraschendes Indiz, hatten wir das Haus bis dahin doch auf etwa 1850 datiert.

    Freilegung von Decken, Wänden und Böden

    Um den Zustand des Fachwerks einschätzen zu können, entfernten wir Abhängungen, Vertäfelungen, Putz sowie Vinyl- und Teppichböden. Dabei kamen alte Bohlen, mehrlagiger Anhydritestrich, gebrochene Deckenbalken, zersetzes Holz fehlende Kopfbänder und sogar teils angehackte Balken zum Vorschein – offenbar um Leitungen einfacher verlegen zu können. Auf der Südseite kam Eichenfachwerk zum Vorschein.

    Rückbau und Neuaufbau der Wasser- und Stromleitungen

    Bei Übernahme des Hauses war die Wasseruhr, die beide Gebäudeteile versorgt, geplatzt. Dazu gab es keine funktionierende Wasserleitungen, diese mussten neu verlegt werden. Die Elektrik war abenteuerlich und nur rudimentär vorhanden. Sie wurde auf einen sicheren Stand gebracht: Mit FI, Sicherungen, mehrere Stromkreise, … Dass beim Betrieb das Haus nicht abgebrannt ist, war wohl auch nur Glück.

    Überdachung Dachterasse entfernen

    Ein Dorn im Auge war uns die Überdachung der Dachterasse, die Vorder- und Hinterhaus verband. Sie bestand aus sprödem Plastik und wurde von den Vorbesitzern anscheinend bei einer Grillparty angesengt. Die Sparren der Konstruktion haben wir an verschiedenen Stellen wiederverwenden können.

    Durchbruch für Bauaufzug

    Um Dachboden und obere Stockwerke von Schrott und Schutt zu befreien, machten wir einen Durchbruch bis ins Erdgeschoss und installierten eine Seilwinde als Bauaufzug. Als sehr widerspenstig stellte sich der Boden im Oberstock (Badezimmer) heraus: Hier wurde über der vorhandenen Decke aus Lehmwickeln 15 cm drüberbetoniert – eine Mammutaufgabe für Mensch und Maschine.

    Rückbau der Räucherkammer

    Als Fleischerei muss man natürlich eine etwas größer dimensionierte Räucherkammer haben. Sie befand sich im Anbau. Vom Boden über die Wände bis zur Decke war alles komplett verrußt und dünstete den entsprechenden Geruch aus. Beim Rückbau stießen wir sogar auf vergessene Räucherwaren – lecker!

    Aufräumarbeiten im Keller

    Durch falsches Lüften war der Keller stark feucht und viele dort gelagerte Gegenstände bereits am Zerfallen. Die Entrümpelung war mühsam. Rätselhaft bleibt uns bis heute, wie die Vorbesitzer die großen Öltanks – ohne Spuren zu hinterlassen – durch den schmalen Kellerzugang entfernen konnten.

    Erste Toröffnung im Anbau

    Beim Kauf besaß der Anbau nur eine unschöne Glastür mit Glasbausteinen, obwohl Bauzeichnungen zwei Toröffnungen zeigten. Die Tür ersetzten wir bald durch ein Bautor.

    Rückbau von Dämmungen und Boden im Anbau

    Offenbar hatten die Vorbesitzer versucht, den Anbau kurzfristig als Wohnung nutzbar zu machen. Ohne Konzept war Steinwolle in Plastikfolie gepackt und in die Decke gestopft – bei Wind bewegten sich die Pakete sichtbar. Wir entfernten alles und nahmen auch den heterogenen Bodenaufbau heraus. Die unzureichende Glaswolldämmung darunter wurde ebenfalls beseitigt.

    Entdeckung der Bohlenstube

    Im Raum über dem Keller fiel uns ein besonders dicker, verputzter Balken auf. Bei der Freilegung entdeckten wir unter Tapeten, Lehm, Stroh und Haselnussruten einen dunkelroten, weiß übertünchten, reich geschnitzten Balken. Weitere Schnitzereien fanden sich in den Deckenfeldern und Holzbohlen – die Reste einer Bohlenstube! Zunächst hielten wir die Formen für barock, doch ein befreundeter Hausforscher datierte sie ins 16. Jahrhundert. Ein Fund, der uns sprachlos machte.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung